Die Bahnlinie von Langwedel nach Uelzen durchkreuzt neben den angrenzenden Landkreisen Rotenburg, Verden und Uelzen auch den kompletten nördlichen Heidekreis. Betroffen sind u.a. die Städte Soltau und Munster sowie eine Reihe von Ortschaften und Dörfern, die sich idyllisch an die kaum noch benutzte Strecke schmiegen. Jahrelang wurde die Amerikalinie zurückgebaut – ein Gleis sogar komplett entfernt – und nur wenig befahren. Jetzt soll sie zum Schaden der Anwohner und umliegenden Dörfer wieder ausgebaut werden.

Viele ehemalige Bahngebäude wurden im guten Glauben auf die Fortsetzung des weiteren Rückbaus dieser Strecke an Privatpersonen verkauft und teilweise mit einem hohen persönlichen und materiellen Aufwand renoviert oder ausgebaut.

Ein weiterer Ausbau schadet auch der Wirtschaft der Region: Viele Bürger/innen haben im Bereich Tourismus entlang der ruhigen und teilweise verschlafen wirkenden Amerikalinie echte Perlen der Agrartouristik geschaffen und damit eine Grundlage für ihre Existenz aufgebaut. Jährlich besuchen uns mehrere tausende Gäste – insbesondere junge Familien, die in ruhiger und dörflicher Atmosphäre entspannen wollen.

Im Rahmen der Diskussion über Alternativ- und Ergänzungstrassen der SGV-Y rückt auch ein möglicher Ausbau der sogenannten AMERIKALINIE immer stärker in den Fokus. Das  Video zeigt die möglichen Streckenvarianten, welche zurzeit im Dialogforum Schiene Nord zur Diskussion stehen. Ein Ausbau der Amerikalinie wird immer wahrscheinlicher, da er für mehrere mögliche Streckenverläufe äußerst relevant ist.

Grundsätzlich setzt sich die BI UnsYnn für den sinnvollen Ausbau von Bestandsstrecken vorrangig gegenüber dem Neubau von Strecken ein, lehnt aber eine vorzeitige Festlegung auf den unsYnnigen Ausbau der Amerikalinie ab.

Die Gründe dafür sind u.a. ein bisher fehlendes Gesamtkonzept und eine neutrale Prüfung der Güterverkehrsprognosen für das Jahr 2030, über den tatsächlich notwendigen Umfang der Hafen-Hinterland-Anbindung.

Der vorzeitige Ausbau der Amerikalinie rettet nicht die fehlende Wirtschaftlichkeit des Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven. Auch für den Hafen Hamburg bringt der alleinige Ausbau der Amerikalinie keine sinnvolle Entlastung und ist damit auch nicht notwendig, sondern unsYnnig! (Bemerkung: Der Wahlkreis von Wirtschaftsminister Lies ist in Wilhelmshaven und er kommt gebürtig von dort.)

Selbst die Deutsche Bundesbahn erkennt die Amerikalinie in ihrer eigenen Darstellung nur als eine optional ergänzende Maßnahme an (Quelle: Vortrag DB am 25.09.2014 in Uelzen).

Umso unverständlicher ist der Druck von Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies und anderer Politiker auf Bundes- und Landesebene sowie auch der IHK Lüneburg, die vehement den beschleunigten Ausbau der Amerikalinie ggf. auch als Einzelmaßnahme mit kleinen Ergänzungen fordern.

Es wären mit ca. 25.000 Wohneinheiten deutlich mehr Wohneinheiten betroffen als bei anderen Streckenvarianten und die erforderliche Streckenlänge, an der Schallschutzmaßnahmen zu erstellen wären, ist nach Aussagen der DB mit ca. 65 km deutlich aufwendiger als bei anderen Streckenführungen. Dieses wird insbesondere wichtig, da der sog. Schienenbonus seit dem 01.Januar 2015 gesetzlich neu geregelt wurde und der Deutschen Bahn strengere Vorschriften bzgl. der Lärmverhinderung macht.

Ebenfalls geht die Deutsche Bundesbahn beim Ausbau dieser Strecke nach eigener Darstellung von keinem Fahrzeitgewinn für die Personenbeförderung aus.

Aus Sicht der BI UnsYnn bedarf es dringend einer sehr kritischen Kontrolle und glaubhaften Aufklärung der Baukosten, die in unterschiedlichster Höhe veranschlagt wurden.

Eine positive Kosten-Nutzen-Rechnung wird sich hieraus wohl kaum ergeben können. Zu viele Positionen sind auf der Kostenseite bisher unberücksichtigt geblieben – oder ist das der Grund für die zu niedrige Kostenschätzung durch das niedersächsische Wirtschaftsministerium?

Während das Land Niedersachsen eine Summe von grob geschätzten 200 Mio. €uro veranschlagt, geht die Deutsche Bundesbahn in ihrer Machbarkeitsstudie aktuell von ca. 1,7 Mrd. €uro alleine für den eingleisigen Ausbau aus.

Die BI UnsYnn fordert von Bund, Land und der Deutschen Bahn und setzt sich dafür nachhaltig ein, dass

  • für betroffene Bürger/innen eine finanzielle Entschädigung für den Wertverlust von Grundstücken und Immobilien geleistet wird, die in ihrem Wert beeinträchtigt werden. Dieses muss gesetzlich festgeschrieben werden und auf Grundlage von neutralen Gutachten berechnet werden.
  • für betroffene Bürger/innen, die durch den Aus- bzw. Neubau der Trassen ihre wirtschaftliche Existenz (z.B. im Tourismus) verlieren oder einschränken müssen, ein finanzieller Ausgleich geleistet wird. Es muss der Grundsatz gelten, dass jedem ein finanzieller Ausgleich gewährt wird, der Lasten für die Allgemeinheit übernimmt.
  • der Ausbau einer derartig stark zurückgebauten Strecke wie der Amerikalinie in jeglicher Hinsicht wie ein Neubau betrachtet werden muss, insbesondere in Bezug auf Genehmigungsverfahren zur Erweiterung der bestehenden eingleisigen Streckenführung und für den Lärm- und Emissionsschutz.
  • Kreuzungsbahnhöfe und Wartegleise außerhalb bewohnter Gebiete errichtet werden müssen.
  • die grundrechtlich bestehenden Zusagen auf Unversehrtheit von Leib und Leben berücksichtigt wird und damit auch der Schutz vor permanenten Lärm- und Staubemissionen, sowie im Falle einer Elektrifizierung der Strecke der ausreichende Schutz vor entstehendem Elektrosmog.
  • der entstehenden erhöhten Unfallgefahren durch steigendes Transportaufkommen, auch von Gefahrgütern, entgegengewirkt wird, durch den effektiven und umfassenden Ausbau des Unfall-, Rettungs- und Feuerwehrwesens.
  • keine innerörtlichen Verbindungs- und Wirtschaftswege sowie untergeordneter Straßen durch Schließung von Bahnübergängen wegfallen und gesperrt werden.
  • die Entscheidungen zum möglichen Ausbau der Amerikalinie durch erneute neutrale Prüfungen der bestehenden Güterverkehrsprognosen abgesichert wird und die tatsächliche Notwendigkeit des Ausbaus der geplanten Hafenanbindungen überprüft wird.
  • die verantwortlichen Planungsbehörden (Deutsche Bundesbahn, Wirtschaftsministerium, usw.) die kompletten Studien offenlegen, die zur Entscheidungsfindung herangezogen wurden.
  • gesetzlich festgeschriebene Einbauvorgaben für „leise Bahnbetriebstechnik“ und andere lärmbegrenzende Maßnahmen beim Betrieb gesetzlich verankert werden – für alle verwendeten Schienenfahrzeuge und Waggons in- und ausländischer Herkunft.
  • eine Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit in bewohnten Gebieten auf max. 60 km/h festgeschrieben wird, das gilt auch für die ländlichen Streuwohn- und Mischgebiete.
  • es mit dem Ausbau der ABS 1960 (Amerikalinie) auch zu einer deutlichen Verbesserung und Intensivierung des Personennahverkehrs in der Region kommt und dieser nicht noch weiter ausgedünnt wird, um dem Transitgüterverkehr den Vorrang zu geben.