Die Amerikalinie entstand als schnelle Anbindung von den Industriegebieten rund um Berlin (z.B. Borsig-Werke) zu den Nordseehäfen und wurde 1873 eröffnet. Der Abschnitt zwischen Langwedel und Uelzen wurde als Bremer Staatsbahn gebaut, den Abschnitt zwischen Stendal und Uelzen legte die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft an, die auch bis zu ihrem Aufgehen in der Preußischen Staatsbahn den Betrieb auf dem westlichen Streckenteil durchführte. Später nutzte das Kaiserreich die Strecke als schnelle Verbindung zwischen Berlin und den Marinehäfen an der Nordsee, weshalb sie 1907 zweigleisig ausgebaut wurde.

Ihren umgangssprachlichen Namen erhielt die Verbindung, weil auf ihr viele Auswanderer aus den östlichen Teilen des Deutschen Reiches nach Bremerhaven fuhren, wo an der Columbus Kaje Anschluss an Auswandererschiffe nach Amerika bestand. In der Gegenrichtung fuhren viele mit Frischfisch beladene Güterzüge von Bremerhaven in die Reichshauptstadt. Da Kaiser Wilhelm II. gelegentlich auf dieser Strecke von Berlin aus zu den Marinestützpunkten an der Nordsee fuhr, ist manchmal auch von der Kaiserlinie die Rede. Durch den Bau dieser Eisenbahn und der Einrichtung der Truppenübungsplätze Munster nahm die wirtschaftliche Erschließung der Heideregion ihren Lauf. Kurze Zeit später entwickelte sich das Eisenbahnverkehrskreuz Soltau mit Anbindungen Fallingbostel-Hannover, Buchholz-Hamburg, Wietzendorf-Celle und Neuenkirchen.

Durch die deutsche Teilung 1945 verlor die in Ost-West Richtung verlaufende Strecke an Bedeutung. Das durchgehende 2. Gleis wurde zwischen 1967 und 1968 zurückgebaut. Die Auslastungen der Bahn war, während der Zeit des „kalten Krieges“, durch hoheitliche Aufgaben, wie Posttransport und Versorgung des Bundeswehrstandortes Munster gesichert.

Wer erinnert sich nicht noch an die langen schweren Panzerzüge und die vielen kleinen Anhänger der E-Karren voller grauer Postsäcke mit schwarz-rot-goldenen Streifen auf den Bahnsteigen in Soltau. Diesen Transportauftrag gibt es heute nicht mehr – die Deutsche Bahn hat im Rahmen der Umstrukturierung das Interesse an dieser Bahnlinie verloren!

Die meisten Streckenbahnhöfe wurden verkauft und viele Gleise in den Kreuzungsbahnhöfen seit vielen Jahren abgebaut oder stillgelegt. Selbst der bedeutende Bundeswehrstandort in Munster wird durch die Deutsche Bahn AG nicht mehr bedient. Militärtransporte und Betriebsstofftransporte werden durch private Logistiker „just in Time“ und günstiger organisiert. Die Transportpflicht zwischen Heimat- und Truppenstandort für Soldaten besteht durch die Abschaffung der Wehrpflicht nicht mehr.

Selbst als vor 25 Jahren die Bundespolitik im Verkehrswegeplan Deutsche Einheit von 1990 die Reaktivierung der Amerikalinie zur Osterweiterung und Erschließung des neuen Ostmarktes forderte, lehnte die Bahn eine Reaktivierung der Strecke ab, da sie keine ausreichende Auslastung prognostizieren konnte, welche eine so teure Investition rechtfertigen würde. Die Deutsche Bahn AG hat kein weiteres Interesse an der Strecke und kündigt an, den Personennahverkehr aufgrund mangelnder Kostendeckung einzustellen. Da die Bahn den Börsengang zum 01.01.1994 plant, muss die Landesregierung handeln und sie tut es. Der niedersächsische Minister für Wirtschaft, Technologie und Verkehr Peter Fischer gründet unter Mithilfe der Umweltministerin Monika Griefahn im Kabinett Schröder die niedersächsische Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG), welche das Nahverkehrsprojekt Amerikalinie mit erheblichen Steuermitteln subventioniert. Die Deutsche Bahn AG hält diese bis 2010 widerwillig mit veralteten Zügen durch. Bei der nächsten Ausschreibung der LNVG zum Betrieb der Amerikalinie beteiligte sich die Deutsche Bahn AG nicht mehr.

Daraufhin gründet die OHE, da anders keine ausreichende Rendite möglich ist, das Tochterunternehmen erixx, welches bis 2019 auf der Amerikalinie incl. Heidebahn Soltau-Buchholz den öffentlichen Personennahverkehr betreibt. Als Güterverkehrsnutzer sind aktuell nur die Elbe-Weser GmbH und die OHE mit max. zwei Zügen pro Tag auf der Amerikalinie mit minimaler Geschwindigkeit unterwegs.

(Quellen: eigene Recherchen; Wikipedia)