Die Bahn untersuchte vor über 15 Jahren bereits die Varianten der Neubaustrecke Maschen – entlang A7 – Soltau – Celle. Im Rahmen des Raumordnungsverfahren zur Y-Strecke Hannover – Hamburg – Bremen wurde festgestellt:

Bei der sogenannten Variante 3 (Strecke an der A7) mit Untervariante (Neubaustrecke Soltau – Celle):

  • Es wären weitaus mehr Menschen betroffen.
  • Die Eingriffe und Natur und Landschaft wären gravierender.
  • Land- und Forstwirtschaft wären ebenfalls stark beeinträchtigt.
  • Der Bau wäre wesentlich teurer.
  • Planerisch müsste ein neues Raumordnungsverfahren mit erheblichem Zeitverzug durchgeführt werden.

Das Video zeigt im Detail die möglichen Streckenverläufe, welche zur Zeit im Dialogforum Schiene Nord zur Diskussion stehen.

Die heutige Situation

Mögliche Trassenverläufe, Stand Mai 2015 (siehe auch Beitrag „Welche Trassenvarianten gibt es eigentlich?“). Mittlerweile werden 12 verschiedene Alternativen im Dialogforum Schiene Nord diskutiert (klicken Sie auf die Abbildung für eine größere Darstellung).

Schaut man sich die Entwicklung in den letzten Jahren für die einzelnen Punkte an so ist festzustellen:

  • Siedlungs- und vor allem Gewerbeflächen wurden in dieser Zeit erheblich erweitert. Dadurch sind weitaus mehr Menschen betroffen als vor 15 Jahren. In den vorliegenden Skizzen zu einem möglichen Trassenverlauf tauchen viele bauliche Maßnahmen noch nicht auf. In Teilabschnitten ist schlicht und einfach kein Platz für eine Trasse.
  • Schutzgebiete und Schutzvorschriften wurden erheblich ausgeweitet (z.B. Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“, Naturpark „Lüneburger Heide“, Wasserrahmenrichtlinie der EU).
  • Landwirtschaftliche Flächen wurden durch Bebauung der Nutzung entzogen und erheblich teuer (steigende Pachten, weniger Möglichkeiten zur betrieblichen Entwicklung).
  • Gegenüber den Kostenschätzungen von vor 15 Jahren kann von einer Verdopplung der Kosten für den Bau ausgegangen werden.
  • Ein neues Raumordnungsverfahren dauert mehrere Jahre, das anschließende Planfeststellungsverfahren ebenfalls. Wegen der großen Anzahl betroffener Interessen ist mit einer Vielzahl von Klagen und möglicherweise langwierigen Enteignungsprozessen zu rechnen. Durch diese Verzögerung lassen sich die Kapazitätsprobleme der Schiene weder kurz- noch mittelfristig lösen.

Besonderheit militärische Belastung

Über viele Jahrzehnte hat die Region um Bispingen, Soltau und Wietzendorf die besonderen militärischen Belastungen aus dem „Soltau-Lüneburg-Abkommen“ getragen. Weite Flächen waren der touristische und wirtschaftliche Erschließung verschlossen. Staub- und Lärmemissionen verhinderten eine angemessene Entwicklung der Kommunen auf den Flächen. In der Zwischenzeit konnten neue Gewerbeflächen und Wohngebiete entwickelt werden, die nun von der Y-Trasse betroffen wären. „Einer trage des anderen Last“ hieß eine Ausstellung zum Auslaufen des „Soltau-Lüneburg-Abkommens“ im Jahr 1994. Die Kommunen Bispingen, Soltau und Wietzendorf hat jahrzehntelang Lasten für andere Regionen getragen.

Nach wie vor stark belastend und einschränkend wirken die Truppenübungsplätze Munster Nord, Munster Süd und Bergen-Hohne. Neben dem Schießlärm sind die Entwicklungsmöglichkeiten der Kommunen durch die militärischen Sperrgebiete stark eingeschränkt.

Eine Anmerkung für den historisch interessierten Leser

Ende der 1980iger Jahre war eine Transrapidstrecke (Magnetschwebebahn) zwischen Hannover und Hamburg entlang der A 7 geplant. Obwohl damals die Region nicht so dicht bebaut, die Schutzvorschriften weniger streng und für die Landwirtschaft weitaus bessere Rahmenbedingungen herrschten und die Kosten für den Bau deutlich geringer waren, konnte diese Trasse nicht umgesetzt werden, weil viele der o.g. Argumente bereits damals eine Realisierung nicht ermöglichten.

Wenn es die Situation erlauben würde, könnte man im laufenden Dialogverfahren also das sogenannte Schienengüter-Y gleich streichen. Wir würden zunächst ein Fest feiern, aber einige würden konstruktiv weiterarbeiten, denn der an sich umweltverträglich Transport von Gütern auf der Schiene verdient auch unsere Unterstützung.

Forderung für alle Varianten

Einige Forderungen lassen sich bereits jetzt für alle Varianten von Neu- oder Ausbaustrecken formulieren:

  • Nur mit Flüsterbremse: Freigabe der Strecke nur für Waggons mit „Flüsterbremse“. Angesichts des ohnehin zur Debatte stehenden Zeitraumes ist eine wirtschaftlich vertretbare Forderung. Der Lärm wird gleich an der Quelle bekämpft. Viele Waggons waren und sind mit Graugussbremsen ausgestattet. Diese führten zu einer Unwucht am Radreifen bzw. den Stahlrädern. Die Unwucht überträgt sich auf die Gleise, die dadurch zu „Holperstrecken“ werden. Fahren nun Züge – egal mit welchem Bremssystem – über diese Trassen, verursachen die eigentlich kleinen Abnutzungen den typischen Eisenbahnlärm.
  • Nächtliche Geschwindigkeitsbeschränkung: Trotz der Lärmschutzmaßnahmen wie Wälle, Einschnitte oder Zäune sollte für Züge im Bereich von Siedlungen eine Geschwindigkeitsbeschränkung (zumindest von 20 bis 6 Uhr) gelten. Dies gibt es auch an vielen Autobahnen.
  • Zerschneidungseffekte minimieren: An den Trassen sind großzügige Querungen für Mensch und Tier (Wildbrücken) vorzusehen um die Trennungswirkung zu mildern. Dies gilt insbesondere auch für den Ausbau an Bestandsstrecken.

Materialien und Links zum Thema